Während ich dies hier schreibe, knirschen die Tasten meines Laptops erbärmlich. Dazwischen stecken nämlich Unmengen von Sand. Die lieben Körnchen stammen von Fuerteventura. Dort habe ich die letzten drei Wochen verbracht. Nein, nicht Urlaub. Arbeiten. Als Praktikantin im Medien-Team des Windsurfing & Kiteboarding World Cup 2011.

Um euch nicht zu langweilen, will ich nur kurz beschreiben, was ich da gemacht habe. Danach erzähle ich euch, was ich aus der Zeit auf der Kanaren-Insel gelernt habe.
Also: Meine Aufgabe war es, über die Surfer und Kiter zu schreiben, die bei dem World Cup gegeneinander antraten. Und das für Medien aus aller Welt, denn auch die Sportler kamen aus aller Herren Länder von Hawaii über die Türkei bis nach Australien. Dabei herausgekommen ist zum Beispiel der Artikel “Windsurfer aus Leidenschaft”, der in der Augsburger Allgemeinen erschienen ist. Alle anderen Texte von mir sind ohne Autorenzeile erschienen. Willkommen in der Welt der PR.
Um die Texte an die Redaktionen zu bringen, mussten all diese Redaktionen natürlich kontaktiert werden. Dazu durfte ich gefühlte zehntausend Telefonate führen. Mein linkes Ohr ist seitdem etwas platter. Aber dafür kenne ich jetzt unglaublich viele Medien in Deutschland und Österreich, von denen ich vorher nicht mal ahnte, dass sie existieren.
Unser Medien-Team bestand aus Print- und TV-Redakteuren, Fotografen, Filmern, Cuttern, einem Graphik-Designer und zwei Organisatoren. Arbeitszeit war von 9 Uhr bis etwa 18 Uhr. Ins Meer hab ich es in den 17 Tagen (ohne Pause!) immerhin ganze vier Mal geschafft. Nur braun werden hat nicht so richtig geklappt. So sah unser Arbeitsplatz übrigens aus:

Nun zu meinen Fuerte-Lektionen
I. Kakerlaken kann man fangen. Es ist nicht nötig, sie mit Eisspray, Gift oder Schuhen zu malträtieren. Dazu nehme man ein Glas und ein Blatt Papier. Wie bei Spinnen, Käfern und so auch. Man muss nur sehr viel schneller sein. Und Kakerlaken zertreten soll keine gute Idee sein, behaupteten zumindest meine Kollegen, weil dann die Eier von diesen süßen Tierchen im Zimmer landen und für seeeeehr viel Kakerlaken-Nachschub sorgen.
II. Windsurfing und Kiteboarding sind Sportarten, die viel mehr Beachtung finden sollten. Was diese Sportler an Sprüngen, Tricks und Manövern zaubern, hat mir oft den Atem stocken lassen.



III. Das Essen am Flughafen von Fuerteventura ist teuer und nicht unbedingt gut.
IV. Wenn du auf Fuerteventura einen Mietwagen nimmst und mehr von der Insel sehen willst, als die Küste, dann nimm einen Jeep! Die kleineren Fahrzeuge inklusive Fahrer werden bei Windstärken bis zu 90 Kilometer pro Stunde ganz schön durchgeschüttelt und auch die schönste Teerpiste endet in der Regel dann, wenn es spannend wird, nämlich dort, wo es in die Vulkanlandschaft hineingeht. Ich habe das mit diesem Wagen ausgiebig ausgetestet, der dafür aber eine fantastische Klimaanlage hatte:

V. Sonnenbrillen mit schmalem Rand sind nix für Fuerte. Da weht der Sand nämlich dran vorbei und direkt in die Augen. Doof, wenn man am Strand unbedingt was sehen will.
VI. Wasserstoffperoxid ist sehr gut geeignet, um Blasen an den Füßen in Schach zu halten. Die sammelt man nämlich schnell, wenn man täglich stundenlang Sand und Schuhe kombiniert. Aber verdünnen nicht vergessen!
VII. Nimm nicht deinen eigenen teuren Laptop mit an den Strand. Lieber irgendwo was ausleihen, als nachher nicht mehr gescheit tippen können und den Sand zwischen den Tasten herauskratzen.
VIII. Die spannendsten Fotos von Surfern in Aktion kriegt man, wenn man mittendrin ist. Deshalb hat sich einer unserer Fotografen immer wieder mit Neopren-Anzug und quietschgelbem Schutzhelm in die Fluten gestürzt. Mitten in der Wettkampf-Zone hat er dann seine Fotos geschossen. Hier ein Ergebnis von seinen Kamikaze-Trips:

IX. Es gibt Hotels, die sind so kinder-freundlich, dass sie keine Skrupel haben, beim Abendessen drei Stunden das gleiche Kinder-Zwergen-Lied zu spielen. Für die Kinder. Gequälte Minen von Erwachsenen werden vom Personal fröhlich lächelnd ignoriert. Ist schließlich Zwergen-Tag.
X. Frauen auf Fuerte gehen zum Tanzen auch dann gerne auf High-Heels, wenn der Tanzboden aus Sand besteht. Und die Röcke haben kurz zu sein.
XI. Die Landschaft von Fuerteventura ist wirklich bemerkenswert. Auf den ersten Blick mag die Vulkaninsel etwas karg aussehen, aber wenn man sich darauf eingestellt hat, kann man eigentlich nur noch staunen. Zum Beweis und zum Abschluss auch davon noch ein paar Bilder.



Und wer nun noch nicht genug hat, der gehe auf die Internetseite des World Cups und klicke sich durch die Galerien. Außerdem gibt es da noch geniale Videos.
PS: Claus Döpelheuer hat mir netterweise noch ein Foto zur Verfügung gestellt, das hoffentlich zweifelsfrei beweist, dass ich auf Fuerte gearbeitet habe. Hier ist es:

Action-Fotos von Markus Adrian und Claus Döpelheuer